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Dem externen Erfahrungsaustausch dient ein regelmäßig veranstaltetes Wissenschafts-Praxis-Forum, das zu wichtigen Rahmenthemen Wissenschaftler und Anwender aus Forschung und Praxis in Bitterfeld-Wolfen zusammenführt.

 

8. Wissenschafts-Praxis-Forum

 
Am 19. Oktober 2005 fand in Greppin das 8. Wissenschafts-Praxis-Forum der Kesla Hygiene AG statt.
Vortragsprogramm
 
Dr. Gerd Schreiner, Kesla:
“Der Wofasteril SC-Typ – Ausgangspunkt neuer Verfahren der PES-Desinfektion”
 
Ina Kowal, Kesla:
“Untersuchungen zur Verdampfung von Wofasteril SC 250″
 
Dr. Peter Trenner, LWU Hygiene Eberswalde, Dr. Gerhard Seemann, Lohmann Tierzucht Cuxhaven:
“Erste Praxisuntersuchungen mit Wofasteril SC 250 zur Desinfektion von Geflügelställen”
 
Dr. Ina Bräunig, Kesla:
“Aktuelle Perspektiven von Wofasteril als Desinfektionsmittel zur Prophylaxe und Bekämpfung von Tierseuchen”
 
Dr. Martin Spohr, EGD der Tierseuchenkasse Baden-Württemberg:
“Mit der Melkzeugzwischendesinfektion die Eutergesundheit verbessern”
 
Dr. Mario Mitsching, Kesla:
“Neue Anwendungen des Desinfektionsmittels Wofasept FL beim Schutz von Rinderbeständen”
 
Dr. Ina Bräunig, Kesla:
“Die Schaumanwendung von Wofasteril als Beitrag zu gesünderen Klauen”
 
Heiko Gärtner, Kesla:
“Das Wofasteril-Schaumverfahren aus technischer Sicht”
 
Schwerpunktthema des Vormittages war die Vorstellung des neuen verdampfbaren Wofasteril SC-Types, der für Peressigsäure ebenso ungewöhnliche wie effektive Applikationen gestattet.
 
Dr. Schreiner begründete in seinem Einführungsvortrag, warum PES-Dampf aus normaler wäßriger Gleichgewichts-PES als Applikationsform bisher keine Rolle gespielt hat. Die Verdampfung ist zu riskant. Es hat bei Versuchen schon Havarien gegeben.

 

 
PES ist ein Gleichgewichtssystem aus mindestens vier Komponenten: Essigsäure und Wasserstoffperoxid als Ausgangsstoffe, PES und Wasser als Reaktionsprodukte. Diese Komponenten besitzen unterschiedliche Siedepunkte. Die Zusammensetzung des Dampfes über einer erhitzten PES hat folglich eine andere Zusammensetzung als die Flüssigphase. Von den vier Hauptkomponenten hat Wasserstoffperoxid (WPO) den höchsten Siedepunkt (um 150 °C). Beim Erhitzen verdampfen Wasser und PES zuerst, dann folgt Essigsäure und WPO reichert sich immer mehr im Rückstand an. Irgendwann führt die Aufkonzentration in eine sehr kritische Phase, die mit einer heftigen Explosion enden kann.
 
Als Vorläufer der PES-Verdampfung kann die Heißvernebelung von PES angesehen werden, für die vor ca. 10 Jahren bei Kesla eine spezielle Formulierung mit den Handelsnamen  Wofasteril fog 300 entwickelt wurde.  Das war für den Bereich der technischen Desinfektion ein neuartiger Typ thermisch belastbarer PES. Hier wurde das Prinzip des “Lösungsmittel-Käfigs” (engl.: Solvent Cage) für das Stoffsystem PES realisiert.
 

Aber nicht nur bei der Verdampfung, auch im gepufferten Zustand eröffnen sich mit Wofasteril SC neue Anwendungsgebiete. Während gepufferte Lösungen von “normalen” Wofasteril-Typen sehr temperaturempfindlich sind, lassen sich gepufferte Wofasteril SC-Gebrauchslösungen auch bei höheren Temperaturen einsetzen. Damit sind kombinierte R & D-Prozesse möglich, bei denen auch die Wärme bei Temperaturen bis 80 °C als Intensivierungsfaktor nutzbar ist.
 

 

 
Innovationsassistentin Ina Kowal stellte ihre Untersuchungen zur Korrosion wichtiger Werkstoffe durch PES-Dampf vor. Sie nutzte dazu einen entsprechend umgebauten IBC mit 1000 l Rauminhalt, in dem sie definierte Mengen von Wofasteril SC250 verdampfte. Bei den meisten Prüfkörpern sind die Materialschäden durch PES-Dampf deutlich geringer ausgefallen als beim Kontakt mit wäßrigen PES-Lösungen.
 

 

 

 
Die Mikrobizidie des PES-Dampfes aus Wofasteril SC-250/Wasser-Mischungen ist erstaunlich. Bedingt durch die Verdampfungscharakteristik des Stoffsystems enthält der als zuerst austretende Dampf die höchste PES-Konzentration und damit auch die höchste Wirksamkeit.
 

 
Dr. Trenner  berichtete über erste Großversuche der Desinfektion von Geflügelställen mit PES-Dampf aus Wofasteril SC 250. Die Verdampfung erfolgte mit elektrisch geheizten Einkochtöpfen. In Ställen der Fa. Tierzucht Lohmann GmbH Cuxhaven konnten mit dieser simplen Technik ausgezeichnete Desinfektionsergebnisse nachgewiesen werden. Dies inbesondere bei Stalltypen, die schwer zugängliche Einbauten besitzen. Auch die Ökonomie sei mit der einer Formaldehydverdampfung vergleichbar.
 

 

 

 
Frau Dr. Bräunig stellte die Vielseitigkeit von Wofasteril und dem Wofasteril-Kombiverfahren sowohl zur vorbeugenden Desinfektion als auch zur Bekämpfung von Tierseuchen dar. Basis seien die vorhandenen Listungen der DVG und die explizite Verankerung des Wirkstoffes PES im Tierseuchengesetz. Einer der vielen Vorzüge der PES ist die geringe Temperaturabhängigkeit des Desinfektionseffektes gegenüber Formaldehyd, wo eine Anwendung unterhalb von 10 °C auch bei erhöhten Einsatzmengen nicht mehr zum Ziel führt.
 

 
Das Nachmittagsprogramm wurde durch Dr. Spohr  eröffnet. Er demonstrierte mit reichem Datenmaterial eine vom Eutergesundheitsdienst kontrollierte Langzeitstudie in einem relativ großen Milchviehbestand in Baden-Württemberg. Hier konnte statistisch abgesichert werden, dass die Melkzeugzwischendesinfektion (MZZD) mit PES einen signifikanten Beitrag zur Verbesserung der hygienischen Situation liefert. Allerdings ist die MZZD für sich keine “Wunderwaffe”, sondern muss Element eines ganzheitlichen Hygienekonzeptes sein.

Dr. Mitsching sprach zur Anwendung von Wofasept FL bei der Übertragung boviner Herpesviren (BoHV-1) durch externes Personal (z.B. Besamungstechniker) von einem Tierbestand zum anderen. Behördlicherseits wurde dieser spezielle Wirksamkeitsnachweis für das bequem zu handelnde und versprühbare Desinfektionsmittel Wofasept FL gefordert. Die entsprechende Studie wurde vorgestellt, nach der das Desinfektionsmittel bereits 2 %ig und nach 15 Minuten Einwirkzeit die geforderte Titerreduktion von mehr als 4 Zehnerpotenzen (RF log 4) beim BoHV-1 sowohl unter clean als auch dirty contitions nach DIN EN 14675 erbringt.

Die beiden abschließenden Vorträge waren der hygienischen Klauenwaschung mit Wofasteril-Schaum gewidmet. Frau Dr. Bräunig  fasste die Anwendungserfahrungen in ausgewählten großen Milchviehbeständen zusammen. Im Anschluß daran stellte Herr Gärtner dieses interessante Applikationsverfahren aus technischer Sicht dar und diskutierte am konkreten Objekt die vorhandenen Ausbauvarianten.