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Dem externen Erfahrungsaustausch dient ein regelmäßig veranstaltetes Wissenschafts-Praxis-Forum, das zu wichtigen Rahmenthemen Wissenschaftler und Anwender aus Forschung und Praxis in Bitterfeld-Wolfen zusammenführt.

 

9. Wissenschafts-Praxis-Forum

 
Am 28. März 2006 veranstaltete die KESLA HYGIENE AG ihr 9. Wissenschafts-Praxis-Forum.
Es stand aus aktuellem Anlaß unter dem Rahmenthema
 
“Wofasteril in Rettungsdienst und Katastrophenschutz”
 
Die ca. 40 Teilnehmer kamen aus der gesamten Bundesrepublik. Es waren Landesfeuerwehrschulen, das Amt für Bevölkerungs- und Katastrophenschutz, Veterinärämter, das Robert-Koch-Institut, Berufsfeuerwehren und Rettungswachen bis hin zum Luftrettungszentrum Stuttgart vertreten.
 
Vortragsprogramm
 
Dr. Gerd  Schreiner, Kesla
“Wofasteril – neue Entwicklungen und Herausforderungen für ein innovatives Stoffsystem”
 
Dr. Mario Mitsching , Kesla
“Mikrobizide Wirksamkeit von Peressigsäure im Vergleich zu anderen Wirkstoffen”
 
Hans-Joachim Töpfer, Kärcher Futuretech GmbH
“Aufgaben und Möglichkeiten der B-Dekontamination”    
 
Reinhard Steffler, Brandschutzamt Leipzig
“Wofasteril – aktuelles Desinfektionsmittel für die persönliche Schutzausrüstung”
 
Detlef Ludwig, Rettungswache Zwenkau
“Wofasteril im Rettungsdienst – ein Erfahrungsbericht”
 
Andreas Hinze, Heiko Gärtner, Kesla
“Entwicklung von Dosier- und Applikationstechnik für Wofasteril-Desinfektionsverfahren – Anforderungen und Umsetzung”
 
Im Einführungsvortrag ging Dr. Schreiner auf historische Meilensteine und chemische Kernfakten der Peressigsäure-Desinfektion ein. Vor nunmehr 36 Jahren startete am
 

 
heutigen Standort der Kesla die Produktion von Wofasteril in einer Anlage, die seither ständig modernisiert wurde. Da Wofasteril seit 1972 den Status eines Arzneimittel hatte, musste besondere Sorgfalt auf Qualität und Konstanz des Wirkstoffgehaltes gelegt werden, was bei technischen PES nicht in dem Maße erforderlich ist. Dieser Aufwand  rechtfertigte sich später, weil er die Plattform für interessante Weiterentwicklungen bot.
 
Die wichtigste Weiterentwicklung ist das Wofasteril-Kombiverfahren. Es beruht darauf, dass das irrtümlich “Peressigsäure” genannte Acetylhydroperoxid eine Neutralverbindung ist. Den sauren Charakter erhalten die Lösungen von Gleichgewichts-PES durch die im Gleichgewicht koexistierende Essigsäure. Weil diese für die Korrosivität, nicht aber für den Desinfektionseffekt verantwortlich ist, kann man diesen Säureanteil vor der Anwendung selektiv neutralisieren. Man kommt so zu nahezu geruchlosen und praktisch nicht mehr korrodierenden Gebrauchslösungen. Dieses Verfahren stellt sehr hohe Anforderungen an die PES-Titerkonstanz über möglichst lange Zeiträume, die beim Wofasteril gegeben ist.  Von besonderer Bedeutung ist das Wofasteril-Kombiverfahren für den Einsatz bei der Bekämpfung anzeigepflichtiger Tierseuchen und die B-Kontamination.
 
Das Wofasteril-Kombiverfahren auf Basis von Wofasteril/Wofasteril E 400 und alcapur ist in breitem Umfange gelistet (DGHM-Liste 2003 Rubrik “Flächendesinfektion”, DVG-Listen
 
“Tierhaltung” und “Lebensmittelbereich”. Es ist das effizienteste aller dort gelisteten Desinfektionsverfahren.
 
Inzwischen wurde und wird dieses nicht nur wirtschaftlich, sondern auch ökologisch beispielgebende System weiter ausgebaut. Ganz entscheidend für die Akzeptanz in der Praxis ist die Bereitstellung möglichst einfacher und funktionstüchtiger Dosier- und Anwendungstechnik.
 
Dr. Mitsching, Leiter der mikrobiologischen Labors der Kesla Forschung und Service GmbH & Co., charakterisierte die wichtigsten mikrobiziden Wirkstoffe unter dem Aspekt biologischer Gefährdungslagen. Da im Einsatzfalle keine vorherige Aufklärung möglich ist, muss man mit Desinfektionsmitteln arbeiten, die rasch wirken und keine Wirkungslücken besitzen. Über die verschiedenen Situationen und Klimabedingungen betrachtet, gibt es keine echte Alternative zur PES.
 

 
Wasserstoffperoxid ist zu wirkungsschwach (PES ist mindestens um den Faktor 100 wirkungsstärker). Aldehyde (Formaldeyd, Glutaraldehyd) sind stark sensibilisierend (Allergene) und nach geltendem Recht (TRGS 540) zu substituieren.
 
Nach der amtlichen Richtlinie zur Desinfektion bei anzeigepflichtigen Tierseuchen sind Wirkstoffe verbindlich vorgeschrieben. Es sind hauptsächlich Formaldehyd, Peressigsäure, Ameisensäure und Natronlauge.
 
Ameisensäure hat einen deutlichen Temperaturfehler. Die bei 20 °C wirksame Konzentration muss bei 10 °C verdoppelt und bei 0 °C vervierfacht werden. Bei Formaldehyd und Glutaraldehyd ist bei 10 °C das Dreifache der bei 20 °C wirksamen Konzentrationen erforderlich. Bei Temperaturen unter 10 °C kann man nicht mehr von einem Temperatur-fehler sprechen, es kommt vielmehr zum totalen Wirkungsausfall. Hier helfen auch keine Konzentrationserhöhungen mehr.  Bei Peressigsäure gelten die bei 20 °C wirksamen Konzentrationen auch bei 0 °C.
 
Ein Vergleich der Temperaturfehler von Ameisensäure und Wofasteril wird von Yilmaz (2001) gegeben.
 
Im nächsten Vortrag gab Herr Töpfer, Kärcher Futuretech GmbH, einen sehr instruktiven  Überblick über Aufgaben, Probleme und Möglichkeiten der B-Dekontamination bei den Streitkräften. Der Vortragende, Produktmanager für ABC-Schutzsysteme beim weltweiten Marktführer Kärcher Futuretech und vorher hochrangiger ABC-Abwehroffizier, skizzierte die Besonderheiten im biologischen Gefährdungsfall. Bei radioaktiver Kontamination ist die Strahlungsintensität sofort messbar. Bei Chemiewaffen wird die Situation schon viel problematischer, aber es sind prinzipiell Mittel zur Kampfstoffanalyse verfügbar. Dagegen sind bei B-Angriffen weder Kontamination noch Dekontamination in Echtzeit aufklärbar.
 

 
Die einzige Möglichkeit zur B-Abwehr ist eine rasche und wirksame Dekontamination. Nur dadurch kann die volle Handlungsfähigkeit der Truppen wieder hergestellt werden. Fast immer mangelt es dabei an Zeit, Kräften und Mitteln. Bei der B-Dekontamination muss prinzipiell die höchstmögliche Stufe der Verfahrenssicherheit angestrebt werden. An die Dekontaminationsmittel werden extrem hohe Anforderungen gestellt. Sehr aussichtsreich ist dafür eine neue Generation von PES-Produkten.
 
Eine mit Kesla kürzlich abgeschlossene Entwicklungsvereinbarung setzt sich zum Ziel, die technischen Möglichkeiten von Kärcher  Futuretech als Weltmarktführer auf dem Gebiet der ABC-Abwehr und die modernsten Desinfektionsverfahren der PES-Chemie für die B-Dekontamination zusammenzuführen.
 
Herr Steffler, Desinfektor beim Brandschutzamt Leipzig, begründete, warum die PES das Desinfektionsmittel der Wahl für den Katastrophenschutz ist. Ausschlaggebend sind die folgenden Eigenschaften: breitestes Wirkungsspektrum ohne Lücken, geringster Tempe-raturfehler, kürzeste Einwirkzeiten, umfassende Listung, hervorragende Umweltverträglichkeit. Maßgebend ist ferner die Tatsache, dass Wofasteril ein PES-Produkt mit der Zulassung für die Hygienische Händedesinfektion ist. Mit der für die Händedesinfektion angegebenen Konzentration von 0,5 % werden innerhalb einer Minute auch bakterielle Toxine zerstört. Auch hat PES keine sensibilisierenden Eigenschaften.
 
Ausführlich ging der Vortragende auf die Besonderheiten und Erfahrungen bei der Desinfektion der persönlichen Schutzausrüstung (PSA) ein. Hier wurde am Desinfektionsstützpunkt der BF Leipzig bei Milzbrandalarm mit 2,5 % Wofasteril gearbeitet.
 
Herr Ludwig, Desinfektor bei der Rettungswache Zwenkau, gab einen Erfahrungsbericht über den Einsatz des Wofasteril-Kombiverfahrens mit dem Dosierinjektor DI 2. Seit 1 ½ Jahren arbeitet man statt mit drei Mitteln für die Flächen-, Sprüh- und Händedesinfektion nur noch mit Wofasteril. Die fest installierten Dosierinjektoren schaffen mehr Verläßlichkeit gegenüber der Entnahme mittels Kanisterpumpen. Man hat sauberere Fußböden und Silikonfugen und Kosteneinsparungen von ca. 1.200 Euro pro Jahr.
 

 
Abschließend gaben die Kesla-Techniker Andreas Hinze und Heiko Gärtner einen umfassenden Überblick über die z.Z. in Anwendung befindliche Dosier- und Applikationstechnik.