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Dem externen Erfahrungsaustausch dient ein regelmäßig veranstaltetes Wissenschafts-Praxis-Forum, das zu wichtigen Rahmenthemen Wissenschaftler und Anwender aus Forschung und Praxis in Bitterfeld-Wolfen zusammenführt.

 

Kesla-Herbstsymposium 2008 für Anwender und Handelspartner

 
 ”Neue Desinfektionsverfahren im Dienste der Tiergesundheit”.
 
Am 1. Oktober 2008 lud die Kesla Hygiene AG  Anwender und Handelspartner an den Sitz der Kesla-Unternehmensgruppe ein, um Innovationen auf dem Gebiet der modernen Peressigsäure-Desinfektion vorzustellen. Die 50 Gäste kamen aus fast allen Bundesländern sowie Österreich und der Schweiz. Da die Kesla-Desinfektionsverfahren optimal mit maßgeschneiderter Applikationstechnik funktionieren, nahm die auf dem Gebiet der Kaltvernebelung tätige Firma PFALZTECHNIK, Görlitz, erstmals aktiv als innovativer Partner teil.
 

 

Programm

 
Dr. Gerd Schreiner, Kesla-Firmengruppe:  Begrüßung und Vortrag
Ascarosteril ABDurchbruch in der Flächendesinfektion
 
Martina Baumann, Kesla Hygiene AG
Praxiserfahrungen beim Einsatz von Ascarosteril AB zur Milbenbekämpfung in Geflügelställen
 
Sven Lucas, Kesla Hygiene AG
Desinfektion in Landwirtschaftsbetrieben ohne Schadwirkung auf Biogasanlagen
 
Dr. Schreiner, Marc Landmann, Kesla
Wofasteril SC 300 – eine Produktinnovation zur effektiven Raumdesinfektion mit PES-Dampf
 
Thomas Pfalz, Fa. Pfalz Technik
Ausbringung von Kesla-Produkten mit moderner Kaltnebeltechnik mit anschließender Vorführung
 
Andreas Hinze, Heiko Gärtner, Kesla Hygiene AG
Hochdrucktechnik und alternative Ausbringungsvarianten für Ascarosteril AB
 
Dr. Schreiner begrüßte die Gäste und eröffnete die Vortragsveranstaltung.  Einleitende Worte galten  der Philosophie der Kesla-Gruppe.  Motto “Wer keine Probleme hat, kauft beim ‚billigen Jakob‘. Wer Probleme hat, wendet sich einem Anbieter zu, der für innovative Markenprodukte, Qualität und guten Service steht“.  Es gehe darum, Marken ständig dem Zeitgeist anzupassen.
 
Das Ziel heißt: Innovationen, Innovationen, Innovationen. Innovationen sind der einzige Weg aus Stagnation und Preisdruck, der einzige Weg, um bessere Preise zu etablieren, um Wachstum und Wertschöpfung zu generieren. Innovationen sind neuartige und bessere Lösungen praktisch wichtiger Probleme – und zwar aus der Sicht des Kunden. Nur er entscheidet über die Innovation, was Top oder Flop wird.
 

 
Bei der ersten Innovation ging es um die Vereinigung von antimikrobieller und antiparasitärer Desinfektion in nur einem Arbeitsgang mit dem neuen Kombiprodukt Ascarosteril AB. Bisheriger Stand der Technik ist der unzureichende antiparasitäre Effekt der bekannten Desinfektionswirkstoffe und umgekehrt die unbefriedigende mikrobizide Wirkung der marktüblichen antiparasitären Mittel. Letztere basieren bis heute fast ausschließlich auf p-Chlor-m-Kresol (CMK).
 
Ziel der Kesla-Entwicklung war ein Produkt auf Basis chlorfreier Wirkstoffe mit hoher Effizienz gegen Spulwurmeier und alle mikrobiellen Erreger wie Bakterien einschließlich Mykobakterien (Tbk) und Sporen, Viren und Mikropilze. Komponente A basiert auf einem neuartigen Eutektikum aus einer aliphatischen und einer aromatischen Kohlenwasserstoff-Sauerstoffverbindung, beide chlorfrei. Komponente B ist eine Peressigsäure vom Solvent Cage-Typ. Die Produktkombination entfaltet einen ausgesprochenen Synergismus: 2 % der Komponente A allein bringen im Abtötungstest von Spulwurmeiern nur etwas über 60 %. 1 % der Komponente B allein um 5 %. Aber 2 % A + 1 % B liefern zusammen ein Ergebnis von über 98 % Abtötungsrate.
 
Bei dieser Konzentration werden auch Tuberkuloseerreger inaktiviert. Bakterizidie, Fungizidie und Viruzidie werden bei niedrigeren Konzentrationen erreicht. Die Ausbringung von 3 % Ascarosteril AB liefert die komplette Stalldesinfektion in einem Gang.  Die bisherigen Praxiserprobungen in der Lehr- und Versuchsanstalt Köllitsch haben ausnahmslos hervorragende Resultate gezeigt, sowohl hinsichtlich der antimikrobiellen Desinfektion, als auch bei der Bekämpfung von Spulwürmern. Die Ausbringung des Kombiproduktes erfolgte als Schaum und als Kaltnebel, wobei Vormischungen möglich und sinnvoll sind.
 
Die zweite Innovation betraf das Wofasteril BiOx-Verfahren als Kopplung von Peressigsäure-Kurzzeit-und Chlordioxid-Langzeitdesinfektion.  Wäßrige PES-Lösungen stellen bekanntlich ein Gleichgewichtssystem aus den Komponenten Essigsäure, Wasserstoffperoxid (WPO), Acetylhydroperoxid (AHP) und Wasser dar.
 
Der Wirkstoff AHP ist ein neutrales Molekül, bei dessen Zerfall die äquivalente Menge Essigsäure entsteht. Man kann den Gleichgewichtsanteil Essigsäure (ES) zum Start der Chlordioxidbildung und die aus dem AHP-Zerfall freigesetzte ES zur weiteren Generierung von ClO2 als Folgereaktion nutzen. Damit ist die Basis für neue Desinfektionsverfahren geschaffen, die für bestimmte Anwendungen bisher unerreichte Wirksamkeiten erwarten lassen. Das ist dort der Fall, wo eine hohe Desinfektionswirkung über lange Zeit aufrecht erhalten werden soll (bei der Bekämpfung von Biofilmen in Tränkwasserleitungen, bei der Entkeimung bestimmter Lebensmitteloberflächen u.v.a.).
 
Martina Baumann berichtete über den Einsatz von Ascarosteril AB zur Bekämpfung der roten Vogelmilbe. Diese Milbe kann in Geflügelbetrieben zu einer echten Plage werden. Im vorliegenden Fall war eine Entenzucht befallen. Man entschied sich für eine Stalldesinfektion mit einem Kaltnebelgerät der Fa. Pfalz. Ausgebracht wurden 20 ml/m3  Ascarosteril AB, bestehend aus 2 Teilen der Komponente A und 1 Teil Komponente B. Im Unterschied zu den Wofasteril-Kombiverfahren ist hier eine Vormischung der beiden Komponenten im unverdünnten Zustand möglich. Dieser Prämix ist ca. 24 h ohne Wirkungseinbuße haltbar.
 

 
Bei einer Stallgröße von 1539 m3 mußten bei 20 ml/m3 insgesamt rund 31 l einer 3 % Ascarosteril AB-Lösung vernebelt werden. Diese Lösung enthielt 2 % der Komponente A (= 600 ml) und 1 % der Komponente B (=300 ml). Für die Vernebelung benötigte das benutzte Kaltnebelgerät der Fa. Pfalz-Technik ca. 45 Minuten.
 
Nach Absetzen des Nebels nach ca. 1,5 h konnte der Stall ohne Atemschutz betreten werden. Es bestand keine Geruchsbelästigung und keine Reizung der oberen Atemwege. Nach genauer Untersuchung der Wände und des Fußbodens konnte ein Milbenvorkommen ausgeschlossen werden.
 
Bei starkem Befall der Stallanlagen mit Milben vor jeder Neueinstallung mit 3 % Ascarosteril AB (= 2 % A + 1% B) behandeln. Dabei erfolgt gleichzeitig die komplette Desinfektion gegen alle bisher geprüften mikrobiellen Erreger. Man kann auch mittels Handsprühgerät 3 % Ascarosteril AB-Lösung ganz gezielt bei vereinzelten Ritzen und Spalten einsetzen, in denen sich möglicherweise Milben geflüchtet haben und sich dort vermehren können.
 
Anschließend behandelte Sven Lucas das Thema “Desinfektion in Landwirtschaftsbetrieben ohne Schadwirkung auf Biogasanlagen“  Es war die Kurzfassung seines zur EUROTIER 2008 geplanten Vortrages.
 
In der Biogaserzeugung ist die BRD Europameister. Werden langlebige Biozide zur Desinfektion eingesetzt, sind Störungen bei der Fermentation in den nachfolgenden Biogasanlagen nicht auszuschließen. Bei Einsatz von Wofasteril E 400 sind keine negativen Einflüsse zu erwarten, da der hohe Anteil an organischen Stoffen im Güllesammelbehälter die ohnehin sehr geringen Wirkstoffkonzentrationen vor dem Eintritt in den Fermenter auf Null reduziert.
 

 
Das Fazit des Referenten: Schnelle und lückenlose Wirksamkeit gegenüber Bakterien, Viren und Pilzen zu jeder Jahreszeit, der rückstandsfreie Abbau, fehlende Resistenzbildung, gute Verträglichkeit und kein Ertragsausfall durch Wartezeiten sind schlagende Argumente für den Einsatz von Wofasteril in der Nutztierhaltung und fördern kontinuierliches Hygienemanagement mit gutem Gewissen!
 
Der nächste Vortrag beschäftigte sich mit der Desinfektion durch Peressigsäure-Dampf als Alternative zur Formaldehydverdampfung. Im einführenden Teil begründete Dr. Schreiner am Beispiel des Wofasteril und dessen Differenzthermoanalyse, warum normale wäßrige Gleichgewichts-PES nicht ohne erhebliche Risiken zu verdampfen sind. Initiator der PES-Verdampfung war die Lohmann Tierzucht GmbH in Cuxhaven. Hier wollte man mit PES-Dampf die Oberfläche von Bruteiern zur Gewinnung von Spezifisch Pathogenfreien Eiern (SPF) für die Impfstoffherstellung entkeimen.
 
So kam es zur Entwicklung des ersten Types von Solvent Cage-PES, in dem der Wirkstoff AHP mit hochsiedenden Polyolacetaten assoziiert ist. Der Cage-Bildner verhindert die Anreicherung von Wasserstoffperoxid (WPO) im Verdampfungsrückstand, was wiederholt zu Verpuffungen geführt hatte. Das Produkt Wofasteril SC 250 ist inzwischen in der Routine bei der SPF-Eierdesinfektion etabliert.
 

 
Da der Cagebildner die SC-PES gegenüber einer wäßrigen Gleichgewichts-PES verteuert, kam die Substitution der Formaldehydverdampfung in der normalen Stalldesinfektion (vor allem solcher mit vielen Einbauten) noch nicht recht voran. Inzwischen wurde im Hause Kesla ein neuer Typ verdampfbarer PES geschaffen, durch den sich nun die Ökonomie der Desinfektion mit PES-Dampf wesentlich verbessert.
 
Die Bilanzierung des Wirkstoffes bei der Verdampfung einer 1:4 Mischung von Wofasteril SC 250 ergab sich, dass durch Hydrolyse und Peroxidzerfall nur etwa 35 – 40 % des zu Beginn vorhandenen AHP wirksam werden. Das weiterentwickelte Produkt Wofasteril SC 300 soll nun die Effizienz so steigern, dass die Ökonomie einer Formaldehydverdampfung erreicht oder übertroffen wird.
 
Der bei 104 °C austretende Dampf ist ein azeotropes Gemisch aus Wasser und AHP mit etwa 45 – 47 % Wirkstoff. Die mikrobizide Leistung dieses an Flächen kondensierenden Dampfes ist enorm. Auch hält sich die Korrosivität in Grenzen, solange nicht bei höheren Temperaturen Essigsäuredampf ausgetrieben wird. Die Innovation äußert sich auch darin, dass die Wirkstoffausbeute von 35 – 40 °C (Wofasteril SC 250) bei optimierter Verdampfung auf 120 % ansteigen kann. Dies beruht darauf, dass die im Sumpf zurückbleibenden Gleichgewichtskomponenten Essigsäure und WPO während des Verdampfungsprozesses AHP nachbilden.
 
Im Anschluß an die Theorie erläuterte Marc Landmann die erste Praxiserprobung von Wofasteril SC 300 in einem Geflügelstall, der ein Volumen von 1390 m3 mit verschiedenen Einbauten (Lüfter, Futterrinnen, Nippeltränken, Sitzhorden) hatte. Zur Verdampfung dienten einfache Einkochautomaten mit 2000 W Heizleistung und Zeitschaltuhr. Da mehrere Einkochtöpfe ausgestellt werden mußten, sorgte eine Vorrichtung zur Umwandlung des vorhandenen Kraftstromes in mehrere Lichtstromanschlüsse. So konnte die Überlastung des Lichtstromnetzes vermieden werden. Zur Kontrolle der Desinfektionswirkung wurden 50 Blechchips in der Größe von 1 Euromünze mit Drahthaken in verschiedenen Höhen ausgehängt. Sie waren im Mittel mit 1,22 x 107 Keimen des Erregers Enterococcus hirae kontaminiert.
 

 
Vom Anschalten der Einkochtöpfe bis zum Abklingen der Verdampfung vergingen 1 h 45 min. Nach der anschließenden Einwirkzeit von 1 h wurde gelüftet. Nach 15 min war der Stall ohne Atemschutz betretbar. Bei den Keimträgern wurde eine Keimreduktion im Mittel um ≥ 5,1 log-Stufen erreicht, was einer ausgezeichneten Desinfektionsleistung entspricht.
 
Nach der Diskussion dieses Vortrages folgte der Mittagsimbiss. Nach der Pause wurde die Veranstaltung im Anwendungstechnischen Lehr- und Versuchslabor fortgesetzt.
 

 

 
Thomas Pfalz, Gründer und Geschäftsführer der Fa. PFALZTECHNIK , stellte sein Unternehmen vor, das sich auf Entwicklung und Fertigung innovativer Kaltnebeltechnik spezialisiert hat. Das Angebot deckt nahezu alle erforderlichen Gerätegrößen für Anwendungen in Industrie, Tierhaltung, Pflanzenbau und –lagerung sowie den Humanbereich ab. Infolge der korrosionsbeständigen Werkstoffe, der nichtverstopfenden Düsen und der flüsterleisen Kompressoren gibt es viele Ansatzpunkte für eine enge Kooperation mit der Kesla Hygiene.
 
Es wurden bereits mit bestem Erfolg gemeinsame Projekte realisiert. Über den Komplex Desinfektion und Bekämpfung der roten Vogelmilbe hatte Martina  Baumann bereits am Vormittag berichtet. In der Diskussion ergaben sich weitere interessante Kooperationsprojekte für die Optimierung von Applikationstechnik und Stoffsystem.
 

 

   

 
Heiko Gärtner behandelte anschließend die Möglichkeiten der Applikation von Ascarosteril AB. Außer der schon behandelten Ausbringung als Kaltnebel ist besonders die Anwendung von Schaum interessant. Dafür eignen sich sowohl HD-Geräte und Niederdruck-Schaumgeneratoren, die beide Komponenten separat in den Wasserstrom einspeisen. Da es im Falle von Ascarosteril AB auch möglich ist, aus den Konzentraten eine Vormischung (Prämix) herzustellen, sind auch kostengünstige Geräte wie Vetec zur Ausbringung in Kleinbetrieben verwendbar. Hier reicht die Schaumqualität für die Kontrolle der Flächenbedeckung aus, wobei allerdings die Schwankungsbreite der Dosierung erheblich ist.

 

 
Im Anschluß führten Andreas Hinze und H. Gärtner das Besprochene praktisch vor. Danach erklärte und demonstrierte Herr Pfalz sein aktuelles Angebot an Kaltnebeltechnik. Das Interesse der Gäste des Symposiums an diesem praktischen Teil war sehr rege, was sich in den vielfältigen Fragen und Gesprächen äußerte. Ingesamt wurde die Veranstaltung von allen Seiten als bereichernd und sehr anregend eingeschätzt.