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Dem externen Erfahrungsaustausch dient ein regelmäßig veranstaltetes Wissenschafts-Praxis-Forum, das zu wichtigen Rahmenthemen Wissenschaftler und Anwender aus Forschung und Praxis in Bitterfeld-Wolfen zusammenführt.

 

Tagesseminar für Tierärzte am 20. September 2006

 
37 Amtstierärzte aus den 5 neuen Bundesländern nahmen am 20. September am Tagesseminar “Desinfektion im Tierseuchenfall” an der Fachakademie für angewandte Hygiene in Greppin teil.
 
Dieses rege Interesse zeigte ein Informationsbedürfnis jenes Personenkreises an, in dessen Händen die Entscheidung über konkrete Maßnahmen und Mittel zur Seuchenbekämpfung beim Ausbruch anzeigepflichtiger Tierseuchen liegt. Die dann unter starkem Zeitdruck zu koordinierenden Einsatzkräfte von Feuerwehr, Katastrophenschutz, THW, Polizei usw. erwarten die entsprechende Kompetenz der verantwortlichen Amtstierärzte. Auf der anderen Seite sind die amtlichen Tierärzte auch massiven Beeinflussungen von seiten der Wirtschaft ausgesetzt. Hier hilft vor allem die souveräne Kenntnis der Gesetzlichkeiten – insbesondere der “Richtlinie des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz über Mittel und Verfahren der Desinfektion bei anzeigepflichtigen Tierseuchen (331/322-3602-19/1)” – als Kompass für die richtigen Entscheidungen.
 
Prof. Dr. Uwe Truyen, Direktor des Institutes für Tierhygiene und öffentliches Veterinärwesen der Universität Leipzig, stellte im ersten Vortrag – Desinfektion im Rahmen der Tierseuchenbekämpfung – die wichtigsten gesetzlichen Grundlagen der Tierseuchenbekämpfung in der BRD vor.
 
Insbesondere ging er auf die Prüfungen und Listungen von Desinfektionsmitteln durch die DVG ein. Diese Verfahrensweise garantiert in der EU den höchsten Sicherheitsstandard. Manche Anbieter nicht DVG-gelisteter Desinfektionsmittel werben irreführend mit Aussagen wie “geprüft nach DVG-Richtlinien” o.ä., die keinen rechtlichen Status darstellen.
 
Eine DVG-Listung setzt zwei unabhängige Gutachten nach den aktuell geltenden DVG-Prüfrichtlinien voraus, die dann von einem Expertenforum der DVG evaluiert und nicht selten noch mit Sicherheitszuschlägen versehen werden. Erst die von der Desinfektionsmittelkommission der DVG festgelegten Listungswerte sind maßgebend und rechtsverbindlich im Sinne des Tierseuchenrechtes. Die in anderen EG-Ländern lediglich auf Suspensionsversuchen beruhenden EN-Prüfungen gelten in der BRD nicht für den Tierseuchenfall.
 

Die folgenden drei Vorträge vertieften diese Problematik:
 
Dr. Ina Bräunig: Einflussfaktoren der Desinfektion in der Tierseuchenbekämpfung
 
Dr. Mario Misching: Vergleichende Wirksamkeit von Desinfektionsmitteln
 
Dr. Gerd Schreiner: Das mikrobizide Stoffsystem Peressigsäure aus chemischer und anwendungstechnischer Sicht.
 
Besonderes Interesse fand der Vortrag von Reinhard Steffler (1. Desinfektor der Berufsfeuerwehr Leipzig) über den Ausbruch der Vogelgrippe in Sachsen. Herr Steffler rekonstruierte das Geschehen im sächsischen Wermsdorf und kam zu praktisch wichtigen Schlußfolgerungen zur Kooperation zwischen den verantwortlichen Amtstierärzten und den vor Ort tätigen Einsatzkräften. Die im ländlichen Raum verfügbaren Kräfte der freiwilligen Feuerwehren seien oft überfordert, da bisher kaum Sachkundige für B-Abwehr und Tierseuchenbekämpfung in den Reihen der der FFw ausgebildet worden wären.
 

Der Abschluss der Seminarvorträge dieses Tages erfolgte durch Dr. Hans-Wilhelm Warnecke: Tierseuchenerreger und Lebensmittelsicherheit.
 
Fotografische Streiflichter vom Seminar
 
Ankunft
 

 
Während der Vorträge
 

 
In den Pausen