wpf.png

Dem externen Erfahrungsaustausch dient ein regelmäßig veranstaltetes Wissenschafts-Praxis-Forum, das zu wichtigen Rahmenthemen Wissenschaftler und Anwender aus Forschung und Praxis in Bitterfeld-Wolfen zusammenführt.

 

Workshop “Hygienische Klauenwaschung”

 

Am 20. Juni 2005 lud die Kesla Hygiene AG ihre Kooperationspartner zu einem Erfahrungsaustausch über das Thema “Hygienische Klauenwaschung” nach Greppin ein.
 
Es ging um Auswertung und Diskussion von einem Jahr praktischer Erfahrungen mit Peressigsäure-Schaum als Mittel zur Verbesserung der Klauengesundheit in der Milchviehhaltung.
 

 

 
Tagesprogramm

10:00 – 10:30 Dr. Gerd Schreiner: Begrüßung und Einführung
“Grundlagen anwendungsorientierter Peressigsäuredesinfektion”
10:30 11:00 Andreas Hinze: “Technische Erfordernisse als Grundlage erfolgreicher
Schaumanwendung”
11:00 – 11:30 Heiko Gärtner: “Das Baukastensystem zur Schaumtechnik”
11:30 – 12:00 Dr. Ina Bräunig: “Aktuelle Erkenntnisse zur Schaumanwendung im
Klauenbereich”
12:00 – 13:00 Imbiss und Fachausstellung
13:00 – 13:30 Dr. Gerd Schreiner/ Dr. Heike Krahnstöver: “Schaum und
Schaummessung in Labor und Praxis”
13:30 – 15:00 Rundtischgespräch: “Ein Jahr Kooperationspartnerschaft –
Erwartungen und Erfahrungen”

 
Die Veranstaltung stieß auf reges Interesse: Mit einer einzigen Ausnahme waren alle eingeladenen Kooperationspartner nach Greppin gekommen.
 
Im Einführungsvortrag ging Dr. Schreiner auf die gezielten Eigenschaftsvariationen von Wofasterilschaum ein. Am Anfang dominierte der mit Hilfe des alkalischen Puffer- und Schäumeradditives alcapur erzeugte Schaum. Probleme konnten auftreten, wenn

  1. bei sehr hartem Wasser Kalkfällung einsetzte (kristalline Abscheidungen)
  2. kein Wofasteril (E250) gefördert wurde und stark alkalischer Schaum entstand (Klauenerweichung)
  3. das hygroskopische Na-acetat als untoxisches Nebenprodukt der selektiven Essigsäureneutralisation bei der Wundheilung störte.

 
Diese Nachteile wurden durch Entwicklung eines Neutralschäumers alcapur N weitgehend eliminiert. In einer Reihe von Betrieben brachte die Umstellung auf ungepufferten Wofasterilschaum Verbesserungen der Klauenhärte. Da nun auch im Verhältnis 1:1 verschäumt werden kann, wird auch die Ökonomie positiv beeinflusst. Mindestens zwei  weitere Innovationen sind in Vorbereitung und gehen in den nächsten Wochen in die Praxiserprobung.
 
Andreas Hinze, leitender Servicetechniker, sprach über die inzwischen verfügbaren Ausbauvarianten der von Kesla angebotenen Schaumtechnik. Erfolgsbestimmend ist in jedem Fall die Bereitstellung der Betriebsenergien Wasser und Druckluft vor Ort in der unbedingt erforderlichen Qualität. Hierfür ist der Betreibers verantwortlich. Bei starken Schwankungen dieser Medien können auch keine konstanten Ergebnisse erwartet werden.
 
Herr Hinze stellte abschließend einen Fehlerschlüssel vor, der die Erfahrungen eines Jahres im Zusammenhang Fehlererscheinung – Ursache – Behebung kommentierte.
 
Heiko Gärtner, Projektleiter Anwendungstechnik, stellte die Ausbaustufen der Schaumtechnik je nach betrieblichen Anforderungen dar. Die einfachste Variante benötigt nur Druckluft und Wasser, erfordert aber verlässliches Personal zur Durchführung (Ein, Aus) und Überwachung (Füllstand der Betriebsmittelkanister, Energien). Oft ist es sinnvoll, diese Funktionen einer Steuerautomatik zu übertragen, von der in einem Baukastensystem nun unterschiedliche Ansprüche bedient werden können. Herr Gärtner ließ deutlich werden, dass es sich hier um lernende Systeme handelt, die sich in einem ständigen Fluss optimieren.
 

 
Frau Dr. Bräunig kommentierte die bisherigen Praxisergebnisse mit der Hygienischen Klauenwäsche im Schaumbad. Die Auswertung der Jahresperiode von März 2004 bis März 2005 kann statistisch als Erfolgsbilanz angesehen werden: In dieser Zeit wurden insgesamt 164 Kesla-Schaumgeneratoren installiert. Von dieser Gesamtzahl sind 24 Anlagen nach mehr oder weniger langen Erprobungszeiten wieder deinstalliert worden. Anders gesagt: 140 (= 85 %) haben einen positiven Beitrag zur Verbesserung der hygienischen Situation geleistet und in nur 15 % der Fälle wurden die Erwartungen nicht erfüllt. In diesen Betrieben hatte zumeist der Schaum als einzelne Maßnahme keine “Chance”, die unbefriedigende Situation spürbar zum Besseren zu wenden.
 
Die Nachmittagsveranstaltung fand im Anwendungstechnischen Lehr- und Versuchslabor statt. Auftakt war der Komplex “Schaum und Schaummessung in Labor und Praxis”.
 
Dr. Schreiner stellte einige wissenschaftliche Grundlagen des Phänomens Schaum dar und demonstrierte moderne Labortechnik zur Messung der Oberflächenspannung und des Schäumvermögens. Dieser Teil wurde durch Frau Dr. Krahnstöver ergänzt, die an Beispielen darstellte, wie man unter Praxisbedingungen mit einfachen Methoden zu wichtigen Aussagen über Schaumqualität und –zusammensetzung kommen kann.
 

 
 
 

 
 

 

Den Abschluss der Veranstaltung bildete ein anregendes Rundtisch-Diskussionsforum zum Thema “Ein Jahr Kooperationspartnerschaft – Erwartungen und Erfahrungen”. Die beteiligten Unternehmen brachten eine durchweg positive Einschätzung dieser Partnerschaft zum Ausdruck und erklärten ihren Willen zur Fortsetzung.